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Pokémon Go – bunte Monster und das Glück
Projekt „Jeden Monat etwas Neues“

Pokémon Go beherrscht seit Wochen die Handys und das Freizeitverhalten vieler Menschen. Was ist dran am großen Hype? Macht Pokémon Go glücklich und wenn ja, warum? Im Rahmen meines Projektes „Jeden Monat etwas Neues“ gehe ich dem Phänomen nach und mache mich auf die Suche nach Antworten und kleinen bunten Monstern.

Wird irgendwas zum Trend, Bestseller oder aktuellen Hype werde ich neugierig. Ich will wissen, warum so viele Menschen auf etwas abfahren, was den Reiz ausmacht und ob es wirklich so gut ist, wie „alle“ stets behaupten. Vor allem aber interessiert mich die Frage: Macht dich das glücklich und wenn ja, warum? Also habe ich mich auf die Jagd nach einer Antwort und kleinen bunten Monstern begeben.

Ein Insidertipp, der schön längst keiner mehr ist, brachte mich in München zum Bordeauxplatz. Der kleine beschauliche Platz, der sonst ein grünes Fleckchen Erholung ausstrahlt, ist seit neuestem der Pilgerplatz für viele Pokémon Jäger. Auf Handy starrende Menschen rennen im Kreis um den Platz oder sitzen geballt um den Brunnen herum. Hin und wieder schreit einer auf und dann bewegt sich die Horde in eine Richtung. Die Richtung, in der ein besonderes Pokémon darauf wartet, eingefangen zu werden. Warum aber gerade hier?

„Das liegt an den vier Pokéstops und den Lockmodulen, die hier durchgehend laufen“, erklärt mir ein junger Mann, der nebenbei fleißig auf den Bildschirm seines Handys tippt. Pokéstops werden benötigt, um Bälle einzusammeln, die man zum Fangen der kleinen Monster benötigt und auch andere Gegenstände wie Hypertränke oder Beleber zu erhalten, um verwundete Pokémons zu heilen.

Die Lockmodule hingegen ziehen jede Menge Pokémons an, so dass ich das Gefühl habe, eines pro Minute einfangen zu können. Das wiederum bringt Punkte. Außerdem kann man die einzelnen Monster zu einer neuen Stufe weiterentwickeln, wenn man genug von ihnen hat. Und das Angebot ist hier riesig.

TraumatoSo probiere ich mich und meine Figur also aus und bin dabei, ich erschrecke fast, ein wenig glücklich. Wenn ich ein seltenes Pokémon sehe und es mit einem Ball erwische, schütte ich Glückshormone aus. Ist es neu in meiner Sammlung (Pokédex), freut es mich noch mehr. Dabei glücklich zu sein, ist für mich verrückt und ein wenig verstörend zugleich. Ich bin eine erwachsene Frau! Was also soll das? Ich sehe mich um und stelle fest, mit diesem Gefühl bin ich offensichtlich nicht alleine.

Kinder und Jugendliche, Mütter und Opas, ganze Familien samt Klappstühlen sind hier im Monsterfieber. Ich fange an mich mit den Pokémon Sammlern zu unterhalten und frage sie nach dem Glück.

„Macht es Dich glücklich und wenn ja, warum?

– „Ja. Es ist der Kick, wenn du ein neues Pokémon fängst, das du noch nicht im Dex hattest.“
– „Glücklich? Wahrscheinlich. Warum? Weiß ich nicht.“
– „Klar. Ich bin hier mit meinen Freunden und wir haben echt jede Menge Spaß.“
– „Ja, ich liebe es etwas zu sammeln.“
– „Weil alle Freunde es spielen und ich so dazugehören kann.“
– „Mein Kind hat mich infiziert. Jetzt spiele ich es auch und ja, es macht mich irgendwie glücklich.
– „Klar, ich bin schon bei Level 25. Nicht schlecht, was?“
– „Ja. Mich und meine Mutter. Sie ist froh, dass ich jetzt endlich so viel draußen bin“.
– „Und ob. Wetter passt, Lockmodule laufen, alles bestens.“

Die Antworten waren so vielfältig wie die Menschen auf dem Platz. Nerds neben Schickimickis, ältere Herrschaften neben Ferienkindern, Paare neben Einzelgängern, Sonnenanbeter neben Schattensuchern.

Dieser Tag war für mich sehr spannend und hat mir allein dadurch schon Glück geschenkt. Am Ende waren es jedoch die Beobachtungen, die freundlichen Gespräche und das herrliche Sommerwetter, die mich an diesem Tag wirklich glücklich gemacht haben. Das beruhigt mich, um ehrlich zu sein!

Und nun entschuldigt, in meinem Garten versteckt sich Pikachu und den muss ich schnell noch einfangen 😉

Herzlichst
Ramona