Fasten-Quickie Nr. 8: Kein Fernsehen? Kein Facebook? Geht das?!

Auf soziale Medien oder gar den Fernseher zu verzichten, erscheint für viele grauenvoll. Warum? Weil sie plötzlich Zeit hätten und mit sich und ihrem Leben konfrontiert wären. Doch genau das wollen wir ja in der Fastenzeit besonders intensiv tun: loslassen, uns neu finden und auf unsere Gewohnheiten achten. Also Fernseher aus, Hirn an – viel Spaß dabei!

Woran denkst Du besonders gerne? Was macht Dir richtig viel Spaß und was weckt das Glück in Dir? Na… ist es eine lange oder eine kurze Liste? Was steht drauf? Und an welcher Stelle findest Du das Flimmern des Fernsehers und die täglichen Facebook-Einheiten? Steht nicht drauf?! Das sollte uns zu denken geben. Unter uns, so einen gemütlicher Abend auf dem Sofa, mit Decke und einem richtig guten Film, mag ich schon auch gerne. Und das Bloggen macht mir unheimlich viel Spaß, genauso wie der anschließende Austausch in den sogenannten Sozialen Medien. Aber viele Stunden, die ich sonst so nebenbei sinnlos auf Facebook und Co. oder vor irgendwelchen Streamingprogrammen verbringe, landen gewiss nicht auf meiner Liste.

Lange Zeit hatte ich gar keinen Fernseher und fand genau diese Tatsache klasse! So viel mehr Zeit für wirklich wichtige Dinge und um etwas im eigenen Leben und im Leben Anderer bewirken zu können. Meine Bücher sind auch nur entstanden, weil die Flimmerkiste aus und mein Hirn eingeschaltet war. Daher ist dieser Bereich absolut sinnvoll und einen Fasten-Quickie wert.

Ich selbst werde mich heute etwas zurückhalten, ich versuche es zumindest einmal. Dafür kommt eine starke Frau zu Wort: Gwynnefer Sylvia Kinne. Wir kennen uns aus dem Human Trust und ich durfte sie und ihre Energie bei einem Schreib-Workshop kennenlernen. Sie ist Autorin des Buches Natürlich dominant: Impulse für deine kraftvolle Weiblichkeit * und ich bin froh, dass sie sich die Zeit genommen hat, um uns mit ihrem Beitrag zum Thema Fasten & Facebook zu bereichern.

Facebook-Fasten

Wir sitzen am großen Esstisch. Links die Küche und der Balkon, rechts der Wohnraum, dahinter die anderen Zimmer. Ein reich gedeckter Kaffeetisch. Und meine Mutter? „Nein danke, ich esse nur einmal Brühe am Tag“, sagt sie mir, als ich ihr ein Stück Erdbeertorte auf den Teller geben möchte. „Oh nein, nicht schon wieder“, denke ich im Stillen.

Als Pubertierende wurde ich Beobachterin von Eierdiäten, Suppendiäten und einigen Diäten mehr, die meine Mutter absolvierte. Das krasseste Erlebnis für mich war die Wodkadiät. Du kannst dir sicherlich vorstellen, wie das ausgeht, wenn man mit Wodka am Morgen beginnt und am Abend damit endet … Gott sei Dank ist meine Mutter nicht an dieser Diät hängengeblieben. Immer machte sie Diäten mit der Absicht abzunehmen. Bereits als Vierzehnjährige beobachtete ich den Yo-Yo Effekt an ihr, und dass dieser Wahnsinn gar nichts bringt. Dass ich diese Verhaltensweise nicht übernehmen werde, stand für mich schon damals felsenfest in Stein gemeißelt fest.

Diätenwahnsinn und Fasten waren viele, viele Jahre für mich dasselbe. Warum also sollte ich fasten? Ich sah darin keine Notwendigkeit. In den letzten fünf Jahren begegnete mit das Thema ‚Fasten‘ immer wieder auf verschiedenen Wegen, sei es im Web oder bei Freundinnen. Ich bin eine wissbegierige Frau, möchte verstehen und machte mich darum auf die Suche nach Antworten.

Heutzutage kann ich alle möglichen Lebensmittel zu jeder Zeit kaufen, Erdbeeren gibt es auch im Winter. Doch schaue ich zurück, dann war dies bei meiner geliebten Großmutter noch ganz anders. Frühere Generationen lebten von den Erträgen, welche die Natur ihnen im Jahreskreislauf schenkte. Es wurde eingeweckt, eingesäuert, Marmelade bereitet usw. Mit diesen natürlichen Köstlichkeiten mussten sie dann über den Winter kommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Wintervorräte im Februar so knapp wurden, dass man dann fasten musste, um zu überleben.

So komme ich zu der Erkenntnis, dass die Fastenzeit heute, in der modernen Welt des Überflusses, als ein Training in die Freiheit von Bedürfnissen zu betrachten ist. 

Da wir schon mal bei der modernen Zeit angekommen sind … fallen mir spontan Facebook, Blogs, iTunes, Apps, Social Network ein. Hier ein paar nachdankenswerte Zahlen aus dem Buch gute-freunde-boese-freunde leben im web (Reihe Hanser)* von Elke Reichart: 20 Millionen User in Deutschland, 2,5 Millionen in Österreich, 2,6 in der Schweiz, 700 Millionen Anwender weltweit nutzen Facebook. Stand: Juni 2011.

Ich glaube, dass Social Media seitdem noch weiter an Bedeutung zugenommen hat und eines der wichtigsten Felder der Kommunikation geworden ist. Für viele Menschen ist Facebook bereits ein Ritual, ohne das es nicht mehr geht. Sollte man nicht fasten von etwas, was einen süchtig macht? Was passiert, wenn man den Süchtigen ihren Stoff wegnimmt?

Könntest Du Dir vorstellen, 30 Tage lang auf Facebook zu verzichten?
Wie fühlst Du Dich bei dem Gedanken?

In der Fastenzeit üben wir, wieder neu zu genießen. Das macht für mich Sinn. „Durch Fasten kannst du das übrige Jahr bewusster, achtsamer und frei leben“, antworten mir Freundinnen auf meine Frage. Und doch kann ich mich nicht in meiner Ernährungsweise auf ein Komplettpaket einlassen. Was mir gefällt, ist ein Teile-Fasten. Ich werde sieben Wochen auf Kaffee, Alkohol und die Naschereien vor dem Fernseher verzichten. Und weniger Zeit bei Facebook verbringen und diese dann sinnvoll nutzen.

Ich lade dich ein zu überprüfen , ob du Facebook in der Form und Häufigkeit nutzen musst und ob du z. B. die Zeit, die du dort verbringst, auf ein geschäftliches Minimum reduzieren kannst.

Bist du dabei?

Danke liebe Gwynnefer für diese Gedanken und dass Du uns daran teilhaben lässt. Ich hoffe, dass sie Dich, liebe/r Leser/in, auf die eine oder andere Weise inspirieren!

Herzlichst
Ramona

In vier Tagen gibt es den nächsten Quickie für einen Bereich, in dem sich das Fasten definitiv lohnt. Freut Euch auf:

Fasten-Quieckie 1: Jammern
Fasten-Quickie 2: Kannst Du weniger lügen?
Fasten-Quickie 3: To Do Listen und Pläne
Fasten-Quickie 4: Müll
Fasten-Quickie 5: Handy
Fasten-Quickie 6: Erwartungen
Fasten-Quickie 7: Konsum
Fasten-Quickie 8: Fernsehen, You-Tube und Co.
Fasten-Quickie 9: Zeitfresser
Fasten-Quickie 10: Aufschieben