Es ist nie zu spät, seinen Lebenstraum zu erfüllen – Australien Teil II – Projekt „Jeden Monat etwas Neues“

Das Sein in Mitten vom Nirgendwo des australischen Outbacks hatte viel Ruhe und Glück in mir ausgelöst. Ich hatte beim Übernachten in den Zeltlagern meine Grenzen geweitet und Eindrücke geschenkt bekommen, die wertvoller nicht sein könnten. Und dennoch war ich auf die nächsten Stationen meines Weges gespannt: Cairns mit Dschungel und Korallenriff sowie Hamilton Island als Teil der Whitsunday Islands mit den weißesten Stränden der Welt. 

Entspannt, glücklich und aufgeladen kam ich also aus der Weite der Natur zurück in die Stadt und erschrak, wie schnell die alten Muster wieder auflebten, sobald ich Internetzugang und damit eine Verbindung nach Hause hatte. Plötzlich beschäftigten mich Anfragen und Bitten meiner Freunde, überlegte ich, was ich abends per WhatsApp allen Daheimgebliebenen berichten könnte und welche Motive die frierenden Freunde interessieren könnten. Im Outback – da wo es nicht viel gab, außer uns selbst – hatte ich mich freier gefühlt als je zuvor. Und doch argumentieren wir noch immer im Brustton der Überzeugung, dass wir mit all unserem Haben und Sein, Erstreben und Kämpfen, Posten und Berichten eine größere Freiheit genießen. Vielleicht haben wir die Freiheit, aber genießen wir sie wirklich? Schränkt uns all das Getue nicht einfach nur unglaublich ein?

Regenwald und Great Barrier Reef – warum sich der Weg nach Cairns gelohnt hat

Diese Fragen, die Antworten darauf und die damit verbundene Einsicht brachten mich zum Glück dazu, den Tag im Dschungel bewusst anzugehen.  Ich wollte die neuen Eindrücke aufsaugen und alles uneingeschränkt genießen. Ich wurde vom Tag nicht enttäuscht!

Mit der Skyrail ging es nach Kurunda. Schon der Weg in der Gondel hoch über dem Regenwald war faszinierend, denn das grüne Meer aus verschiedensten Pflanzen erstreckte sich über Hügel, Täler und noch mehr Hügel bis ans Ende des Horizontes. Dieser Eindruck wurde durch den Glasboden in der Gondel noch verstärkt. Gemächlich ruckelten wir über die Baumkronen hinweg und erhielten damit einen beeindruckenden Einblick.

Wow, ist das laut hier!

Nie hätte ich erwartet, dass im Regenwald eine solche Geräuschkulisse herrscht. Egal an welchem Aussichtspunkt ich die Gondel verließ: es war unheimlich laut. Die Zikaden strengten sich mächtig an, um alle ungeliebten zweibeinigen Eindringlinge von einem zu lange dauernden Besuch abzuhalten.

Kampf „Klein“ gegen „Groß“

Darf ich vorstellen: Ivy

Auch im kleinen Ort Kurunda waren sie noch immer zu hören, mischten sich aber eher in eine Art konstante Geräuschkulisse, die das Schnattern an den Ständen der Verkäufer oder die Erklärungen der Tourguides einband. Ich selbst schlenderte auf direktem Weg zum Koala Park, unwissend welches Glück mich dort überschwemmen sollte. Denn dort lernte ich Ivy kennen.

Eine 18 Monate alte und knapp vier Kilogramm schwere Koala Dame, die mich für ein paar Minuten als Baumersatz akzeptierte. Dieses wundervolle, faszinierende kleine Wesen, das mein Herz im Sturm eroberte. Dieses weiche, warme Kerlchen, das eine Woge Glücksgefühl in mir auslöste. Dies wurde mir erst richtig bewusst, als mir Minuten später im Känguru Gehege Tränen der Freude auf meinen Ärmel tropften. Ein unerwarteter Zwischenfall sollte sich für mich zum Glücksfall mausern, bei dem ein Känguru Baby die Hauptrolle spielte. Das kleine Kerlchen, das noch sicher im Bauchbeutel der Mutter lebte, war bei der Pflege herausgeplumpst und hatte sich mir damit gezeigt. Unglaublich, wie das kleine zerbrechliche Wesen wieder aufstand und ungelenk mit seinen langen Beinen schnellst möglich wieder in sein sicheres Zuhause schlüpfte. Diese Erlebnisse gepaart mit der Rückfahrt im historischen Zug rundete mein Dschungel-Abenteuer ab.

Erkenntnis des 8. Tages: Manchmal überschwemmt uns das Glücksgefühl so sehr, dass uns die Augen überlaufen.

Die Tierwelt Australiens schenkte mir auch am nächsten Tag weitere unbeschreibliche Glücksfunken. Schnorcheln am Great Barrier Reef war ein unbeschreibliches Erlebnis, das mir nur einmal mehr gezeigt hat, wie sehr wir mit der Natur verbunden sein können. Abtauchen in eine andere Welt, sich mit ihr verbinden, den Körper auflösen, eins werden, zusehen und staunen.  Geschützt vor Sonne und Quallen durch einen Stingersuit ging es in die Fluten, um schon nach kurzer Zeit „George“ zu treffen. Der Napoleon-Lippfisch kam näher, ließ sich berühren, schwamm weg, kam wieder näher, berührte mich – fast wie ein leiser Tanz unter Wasser. Noch etwas beeindruckender und nahezu mystisch war es, als eine Meeresschildkröte unter mir erschien. Wir schwammen gemeinsam ein Stück, jeder auf seiner Ebene und doch wie unsichtbar miteinander verbunden. Die Stille, die unter Wasser herrschte, die langsamen Bewegungen und das Gefühl getragen zu sein, vermischten sich zu einem ganz besonderen Gefühlscocktail. Seine berauschende Wirkung erreichte den Höhepunkt, als sie knapp eineinhalb Meter vor mir aus der Tiefe empor stieg um die Wasseroberfläche zum Luftholen zu durchbrechen. Ich sah ihre Musterung des Panzers, das kräftige gebogene Maul und die wachen aufmerksamen Augen so klar vor mir – unglaublich!

 

An diesem Tag war es jedoch ein Gespräch mit Patricia, das mich nachhaltig glücklich machte. Ich lernte die aus Idaho stammende 63-Jährige auf dem Boot kennen und kam mit ihr ins Gespräch. Durch die bisherigen Erlebnisse auf meiner Reise, war ich sehr beseelt und von Glück erfüllt, ausgeglichen und offen. Dies strahlte ich offensichtlich mehr aus, als mir bewusst war. Zumindest überraschten mich ihre Worte am Ende unseres wunderbaren Kennenlernens sehr und wurden für mich zu einem wertvollen Geschenk:

„You are highly connected, someone above loves you very much. Maybe more than you know. You seem to be very spirituell and it’s fascinating to see that you are living your dreams. You are doing what you are thinking and talking about. Darling, I am so proud of you.“

Erkenntnis des 9. Tages: Es sind die Begegnungen, die unser Leben bereichern. Kein Geld der Welt kann wertvoller sein.

Auch wenn es noch viel zu sehen gab und zu erzählen gäbe, so ging die Reise schon bald weiter und führte mich mit einem kleinen Flieger auf eine noch kleinere Landebahn auf Hamilton Island. Nach all den Erlebnissen und Eindrücken sollte hier das 3. E auf mich warten: Erholung.

Es gibt ein Paradies: Hamilton Island, Whitsunday Island mit Hill Inlet und Whitehaven Beach

Hamilton Island und all seine umliegenden Inseln sind wirklich paradiesisch. Doch passierte es genau hier, dass mich die Einsamkeit und viele aufwühlende Gedanken überraschten. Im Kopf war aufgrund der Ruhetage ohne Programm plötzlich Platz, um andere Dinge zu registrieren.

Das große luxuriöse Doppelbett in meinem Bungalow zum Beispiel. Die Yachten im Hafen, die teuren Läden und das damit verbundene Einkommensgefälle der restlichen Urlauber im Vergleich zu mir. Die Tatsache, dass hier einfach niemand alleine unterwegs war. Familien, Paare, Freunde glitten in einem der unzähligen surrenden Club Cars dahin. Wo waren die Alleinreisenden? Sieht man uns Einzelkämpfer einfach nicht? Essen wir alleine Spaghetti auf unserem Balkon oder dem kleinen unscheinbaren Tisch im Restaurant? Müssen wir uns verstecken oder wollen wir das vielleicht sogar? Oder gibt es hier einfach nur so wenige von uns?

„Eine gute Reise nach Australien und zu Dir selbst“ wurde mir vor der Abfahrt gewünscht. Puh… gar nicht mal so einfach, stellte ich fest. Die neuen Eindrücke oder mein Rucksack Karl hielten mich auf Trab. Tausende Kilometer von Zuhause entfernt machte ich mir Gedanken über den anstehenden Kindergeburtstag und Fußballtraining. Hinzu kamen Gedanken über Geld, Einsamkeit, Partnerschaft und Lebenssinn.
Da half nur eine klare Ansage:

Ramona, entspanne Dich!

Genau, wie es auf dem Schlüsseltütchen für den Bungalow gestanden hatte: stop, breathe, relax! You’e arrived!

Erkenntnis des 10.Tages: Die kleine Ramona möchte (noch) nicht aus dem Paradies abgeholt werden.

Hill Inlet – Whitehaven Beach

Nachdem ich mir dies zu Herzen genommen hatte, beruhigte sich eben jenes auch wieder und konnte sich für die Schönheit der Umgebung erneut öffnen. Spätestens beim Anblick der Rochen, die im Wasser der türkisfarbenen Bucht schwammen, beim Spüren des weißen Sandes unter den Füßen, der so weich und fein wie Puderzucker war und der Erkenntnis, an einem der schönsten weißen Sandstrände der Welt sein zu dürfen, waren die trüben Gedanken vom klaren Wasser abgewaschen worden.

Plötzlich konnte ich wieder genießen, frei durchatmen und mich auf all das Schöne besinnen. Auf die Dinge, die ich schon erreicht habe, die Träume, die in mir noch auf die Verwirklichung warten und vor allem aber auf das Hier und Jetzt, das zwischen Vergangenheit und Zukunft mein Leben darstellte.

Ich nahm mir fest vor, zwar jeder Form von Gedanken zuzulassen und ihnen bewusst auch nachzugehen, mich am Ende aber stets auf das Gute zu fokussieren und zum Positiven zurückzukehren.

 

 

Erkenntnis des 12. Tages: Werde Dir tägliche Deines Glücks, Deiner Zufriedenheit und Deiner Dankbarkeit bewusst.

Mit diesem guten Gefühl genoss ich noch ein Weilchen den Strand, das Rauschen des Meeres und mein super großes weiches Bett für mich ganz alleine. Denn schon bald sollte die Reise weitergehen und mich zu meinem letzten Wunschort der Reise führen: nach Sydney.

Darüber lest Ihr im dritten und letzten Tal mehr!

Bis dahin – relax!
Herzlichst Eure
Ramona

Diese Beiträge gehören zur Serie:

Australien Teil I – Es ist nie zu spät, seinen Lebenstraum zu erfüllen

Australien Teil III – Es ist nie zu spät, seinen Lebenstraum zu erfüllen