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Erkenntnisse eines Fastenabenteuers – Projekt „Jeden Monat etwas Neues“

Zur Ruhe kommen, die großen Dinge in übersichtliche Häppchen teilen, sich Zeit nehmen und alles sanft verdauen – dies sind nicht nur Grundlagen des Fastens, sondern auch ein schönes Sinnbild für das Leben an sich.

Aus diesem Grund habe ich im Rahmen meines Projektes „Jeden Monat etwas Neues“ im April zum ersten Mal in meinem Leben gefastet.

Warum?

Weil ich das Gefühl hatte, dass es Zeit dafür ist. Zeit, um mich auf „Null“ zu setzen und neu durchzustarten. Weil ich das Gefühl hatte, dass mein Essverhalten einer Generalüberholung bedarf.
Weil ich das Gefühl hatte, dringend etwas ändern zu müssen.
Nicht mich, aber für mich.

Gründe genug also, um dieses Abenteuer zu wagen.

Milch und Semmel Kur nach F.X. Mayr

Bei der Wahl der Fastenkur entschied ich mich für die Milch und Semmel Kur nach F.X. Mayr. Wie der Name vermuten lässt, wird hierbei nicht vollständig auf das Essen verzichtet, sondern der Magen-Darm-Bereich trotz Aufnahme von Brötchen und Milch entlastet und unterstützt. Weiterer Vorteil ist das damit verbundene Kautraining, dass uns Fastende an ein gründliches Kauen und Einspeicheln sowie an ein Wiederentdecken des Sättigungsgefühls heranführt.

Ehrlich gesagt habe ich mir zusätzlich dazu eine reine Tee-Kur einfach nicht zugetraut.
Schon so hatte ich Sorge, in der Fastenzeit mit schlechter Laune, schwankendem Kreislauf, nagendem Hunger und fehlender Kraft durch den Tag zu straucheln.

Aber nichts dergleichen geschah.

Erkenntnisse eines Fastenabenteuers

Die Erkenntnisse der Fastentage sind vielseitig. Manches war vorhersehbar (kalt duschen konnte ich zum Beispiel noch nie leiden!) Anderes wiederum hat mich sehr überrascht. Hier ein kleiner Auszug:

  • Gut gekaut ist halb verdaut

Wir müssen uns die Zeit nehmen, die Dinge gut zu kauen, sie bewusst wahrzunehmen, der Entwicklung beim Zerkleinern zu folgen und die Verdauung dadurch zu unterstützen. Dann haben wir die Chance, mit allen Sinnen zu erkennen, was uns gut tut und was nicht. Dies wird unsere Entscheidungen beeinflussen, beim Essen wie im Leben.

  • Hunger ist auch nur ein Gefühl

In den zehn Tagen hatte ich trotz der deutlich reduzierten Nahrungsaufnahme (drei dröge Brötchen am Tag) so gut wie nie Hunger. Ich wusste, was zu tun war und habe mich daran gehalten. Das Versprechen, genau dann keinen Hunger zu erleben, wurde eingelöst. Und kam er doch einmal, war es manchmal schlichtweg Durst oder Stress. Hunger macht mir ab sofort keine Angst mehr. Klingt komisch, ist aber so.

  • Keine Ablenkung durch Ablenkung

Sich bei jeder Mahlzeit voll auf das Essen zu konzentrieren, nicht zu viel zu Ratschen, in einer Zeitschrift zu blättern, Radio laufen zu lassen oder am neuen Buchprojekt zu arbeiten, fiel mir extrem schwer. So eine olle Semmel ist schließlich nicht sonderlich spannend. Und doch tut es Körper, Geist und Seele gut, einen Gang runterzuschalten, die Sinne bewusst zu schärfen und sich eben nicht berieseln zu lassen, sondern den eigenen Gedanken zu lauschen.

  • Energie auch ohne Kalorienzufuhr

Ich ging fest davon aus, dass ich in diesen Tagen matt sein würde. Schwach und nicht fähig, meine neugewonnene Routine des Joggens einzuhalten. Ich glaube mein Schweinehund hatte mir dies in einem unachtsamen Moment suggeriert. Doch es kam anders. Ich war fit, fühlte mich morgens ausgeschlafen, ging gut gelaunt an die Arbeit und abends joggen. Mein Körper schien all die überschüssige Energie, die ihm sonst durch beschwerliche Verdauungsvorgänge abhandengekommen war, auszuschütten und zur Verfügung zu stellen. Was für eine wundervolle Erkenntnis.

  • Das schönste am Fasten ist das Essen danach

Essen hatte für mich ehrlich gesagt keinen hohen Stellenwert. Es gehört dazu, kann lecker und gesellig sein. Aber großen Spaß am Überlegen, Schnippeln und Kochen hatte ich bisher nicht. Nach einer geschmacklich sehr eintönigen Zeit, bekommt das Ganze aber einen Schwung. Wie intensiv ein einzelnes Stück Apfel schmecken kann, welchen Einfluss frische Kräuter auf ein Gericht haben und wie abwehrend der Körper plötzlich gegen Fettiges reagieren kann, wurde mir erst nach dem Fasten bewusst. Wow, sind die Lebensmittel lecker und mit welch einem Genuss stelle ich mir gerade meine täglichen Mahlzeiten zusammen und schlemme.

Fasten ist mehr als nix

Mein Projekt hat mich einmal mehr an meine Grenzen geführt, mir neue Wege und Denkweisen aufgezeigt. Dafür bin ich sehr dankbar. Ob ich noch einmal in naher Zukunft fasten werde, weiß ich noch nicht. Aber viele Erkenntnisse und erlernte Verhaltensweisen werde ich übernehmen und in Zukunft stärker berücksichtigen. Dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Fasten ist eben doch mehr als nix!

Herzlichst
Ramona