Blog Hände Senioren

Dankbarkeit im Seniorenheim – Projekt „Jeden Monat etwas Neues“

Der Blickwinkel auf das Leben und den Tod ändert sich, sobald man einen Tag im Seniorenheim verbracht hat. Sich allen Eindrücken zu öffnen, bereichert und macht im tiefsten Inneren glücklich. Denn nicht das Sterben ist das bestimmende Thema hier.

Service Day – Helfen, wo Hilfe gebraucht wird

Im Rahmen des „Service Day’s“, den mein Arbeitgeber jährlich veranstaltet, hatte ich die Möglichkeit, im Seniorenheim zu helfen. Mulmig war mir zumute und ich wusste, dass ich mich damit aus meiner Komfortzone bewegte. Was kommt auf mich zu? Kann ich überhaupt helfen? Das waren die Fragen, die hin und her kreisten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und Hausbesichtigung wurden wir in Teams aufgeteilt, um die Damen und Herren in den verschiedenen Bereichen zu unterstützen. Und schon beim Frühstück wurde klar, dass selbst in diesem sehr gut organisierten, finanziell stabilen und top eingerichteten Haus, jede helfende Hand gebraucht wurde. Lebensmittel austeilen, Tee einschenken, Brote schmieren und diejenigen füttern, denen Essen alleine leider nicht mehr möglich war. Die vielen Aufgaben ließen kaum Zeit zum Nachdenken, doch die Eindrücke gingen sofort tief, bewegten sehr.

Zeit ist das größte Geschenk

Zeit ist eine Rarität und wer sie anbieten kann, macht ein großes Geschenk. Denn durch die knappe Personaldecke, enge Dienstpläne, Krankheitsausfälle und Sondereinsätze bleiben den Mitarbeitern kaum Momente, sich den einzelnen Bewohnern individuell zu widmen.

Manche von ihnen sitzen schwatzend und lachend in der Sonnenecke und erzählen freudig von der Freundschaft, die sie hier gefunden haben. Auch dass der neue Herr auf dem Flur zwar sehr höflich ist, aber bestimmt nur „das Eine“ will, wird mir mit verschwörerischem Augenaufschlag berichtet.

Blog Hände SeniorenEine andere Dame wiederum sitzt verwirrt in ihrem Zimmer und hat Angst, vor ihrem Mittagsschlaf. Müde sei sie. Wisse nicht, wo sie hier sei. Ob ich bitte da bleiben könne, damit sie mich sieht, wenn sie aufwache. Ich bleibe, auch wenn ich weiß, dass sie nach dem kurzen Nickerchen nicht wissen wird, wer ich bin und warum ich hier sitze. Aber meine Zeit schenke ich ihr. Es ist das Einzige und gleichzeitig das Wertvollste, was ich hier zu geben habe.

Leben in Dankbarkeit

Und während ich mir gestatten darf, an ihrer Seite zu bleiben, um ihr die Angst zu nehmen, schenke ich mir selbst die Zeit zum Nachzudenken. Über das Leben hier und im Allgemeinen. Über die Geschichten, die ich heute gehört habe. Über die Verwirrung und die Lebensfreude. Über Ängste, aber vor allem auch über die Dankbarkeit, die zu verspüren ist. Dankbarkeit für das bisherige Leben, für den aufgeschnittenen Apfel, das freundliche Gespräch. Immer wieder schlägt sie mir entgegen. „Ich bin dankbar“, sagen viele. Dankbar für das was war, für das was ist.

Und auch ich darf sie mit nach Hause nehmen. Dankbarkeit! Für die Erfahrung dieses Tages, die Geschichten und Erlebnisse, die Einsichten und für das Lachen, für die nachdenklichen Momente und das Glück, dass ich dadurch in mir selbst wieder verspüre.

Denn: Dankbarkeit macht glücklich!

Herzlichst
Ramona