Ein Foto fürs Leben – Wenn Kinder gehen und die Erinnerung bleibt
Gespräch mit Dein Sternenkind Fotografin Tanja von Rohden

Mit ihren Posts und Beiträgen hat sie mein Herz berührt, mit dem was sie tut, die Herzen vieler Eltern. Tanja von Rohden ist ehrenamtliche Fotografin bei Dein Sternenkind. Sie schenkt einen Funken Glück in der dunkelsten Zeit, die sich Eltern vorstellen können. Schenkt ein Foto fürs Leben, wenn eine kleine Seele keine Chance auf ein eigenes Leben erhält.

Tanja von Rohden fotografiert Sternenkinder. Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Sie zeigt ohne Worte die Verbindung zu diesem geliebten Familienmitglied, das nie ihn Vergessenheit geraten wird. Ihre Fotos helfen dabei, die Erinnerungen wach zu halten und Trost zu spenden. Sie fangen auf wundervolle Weise die Seele der kleinen Kinder ein, bevor Eltern sie gehen lassen müssen.

Bild Katrin Kühnhold – Tanja beim Fotografieren eines Neugeborenen

Ich freue mich sehr, dass Tanja sich die Zeit nimmt, für Glücksfunken von ihrer Arbeit zu erzählen und uns ein bisschen daran teilhaben lässt:

Liebe Tanja, was hat dich dazu bewegt, Sternenkinder zu fotografieren?

Ich bin Fotografin und auf Neugeborene spezialisiert. Die Eltern besuchen mich mit ihrem Kind und gehen nach dem Shooting glücklich nach Hause. Sehen ihr Kind aufwachsen und haben die Bilder der ersten Tage als Erinnerung oft groß an den Wänden hängen. Nachdem ich von Dein Sternenkind erfahren habe, war es mir sofort ein Bedürfnis auch den Eltern, die nicht das Glück haben ihr Kind mit nach Hause nehmen zu dürfen, Erinnerungsbilder zu schenken.

Früher war der Begriff Sternenkind auf Kinder mit weniger als 500g Gewicht bezogen, mittlerweile nennt man alle Kinder die vor, während oder nach der Geburt versterben liebevoll Sternenkinder. Das Gewicht spielte eine Rolle, weil erst ab 500g die Existenz des kleinen Wesens auch urkundlich bescheinigt werden konnte. Seit 15. Mai 2013 können Eltern alle Sternenkinder beim Standesamt melden und ihr Sein damit offiziell machen. Informationen findest Du auch hier beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche.

Dein erster Einsatz bei Dein Sternenkind führte Dich zu Deiner eigenen Familie. Warum hat Dich gerade dies darin bestärkt, auch zukünftig Sternenkinder zu fotografieren?

Ja. Mein erster Einsatz führte mich zu meinem Neffen und seiner Frau, die ihr kleines Baby im 5. Monat verloren haben. Die Mama fragte mich schon vor der Geburt, ob ich Fotos machen würde, denn sie wusste von meiner Anmeldung bei Dein Sternenkind. Dies war natürlich ein für mich ganz besonderer Einsatz, weil ich zu zwei Menschen fuhr, die ich so lieb habe. Und ich wusste, welchen Schmerz sie fühlten. Und diesen Schmerz fühlte ich auch so doll mit. Irgendwie war das doppelt schlimm für mich. Aber die Stimmung in dem Raum später war eine ganz besondere. So hatte ich das nie erwartet. Und ich wusste, dass es richtig war, dass ich die Beiden begleitet habe. Und auch später die Dankbarkeit der Mama. Das alles hat mir „für die Sache“ ein gutes Gefühl gegeben und mich bestärkt auch zukünftig Sternchen zu fotografieren.

Die bewegenden Berichte über ihre Einsätze sowie die von vielen weiteren Fotografen kann auf Dein Sternenkind oder auf ihrer Homepage gerne nachgelesen werden.

Wir möchten mit diesem Beitrag auf Eure Arbeit aufmerksam machen, damit mehr betroffene Eltern von Euch erfahren und sich an Euch wenden können. Magst Du kurz beschreiben, wie sie Euch erreichen können und wie es dann weitergeht?

Der schnellste Weg einen Fotografen anzufordern ist über die Website von Dein Sternenkind. Im Reiter „Eltern“ ist ein Formular „Fotograf anfordern“ hinterlegt. Dieses Formular wird dann von den Eltern ausgefüllt und abgeschickt. Sofort kümmert sich ein Administrator von Dein Sternenkind um diesen Einsatz und löst bei Fotografen, die im Umkreis des Einsatzortes wohnen einen Alarm über eine App aus. Wir Fotografen kümmern uns dann um alles Weitere und organisieren uns dann. Oft steht schon wenige Momente nach Anforderung fest, wer den Einsatz übernehmen kann. Es wird zu der dort hinterlegten Nummer Kontakt aufgenommen und der Einsatz wird nun mit den Eltern oder dem Krankenhauspersonal besprochen. Sollte kein Internetzugang verfügbar sein, kann auch folgende Nummer angerufen werden: 06257 9185009.

Weitere Informationen zum Ablauf, zu den Meldemöglichkeiten sowie hilfreiche Details sind auf Dein Sternenkind zu finden. Bei Dein Sternenkind sind derzeit ca. 500 Fotografen deutschlandweit unterwegs. Alle engagieren sich ehrenamtlich und verhelfen Eltern in dieser schweren Zeit zu kostenfreien und doch unbezahlbaren Erinnerungen. Auch interessierte Fotografen finden auf der Homepage alle notwendigen Informationen, wenn sie Teil von Dein Sternenkind werden möchten.

Was müsste geschehen, damit die Scheu vor diesem Thema nachlässt und noch offener darüber gesprochen wird?

Darüber sprechen 😉

Das ist der Knackpunkt, glaube ich. Durch die Berichte bei Dein Sternenkind und auch meine Öffentlichkeitsarbeit sowie durch die Verbreitung (durch das Teilen der Beiträge) bei facebook konnten wir schon ganz viel aufklären und sehr viele Menschen erreichen. Den Betroffenen tut es gut, darüber zu sprechen, auch wenn es dem Gegenüber schwerfällt. Traut euch. Das allerschlimmste für die Sterneneltern ist, wenn das Geschehene „totgeschwiegen“ wird. Sind sie gerade nicht in der Lage darüber zu reden, dann werden sie es euch sagen. Seid mutig. Das möchte ich allen mit auf den Weg geben!

Leider gibt es viel mehr Sternenkinder, als uns oft bewusst ist. Ich hörte, dass ca. 3.000 Kinder pro Jahr noch im Mutterleib, bei oder kurz nach der Geburt sterben. So viele Familien trauern um die Kleinsten, oft ungesehen und ungehört. Sternenkind Fotografien und die Berichterstattungen darüber machen die kurzen, aber nicht weniger wertvollen Leben auf liebevolle Weise sichtbar.

Wir denken beim Tod eines Kindes nicht an Glück. Kannst Du in diesen schweren Momenten dennoch das Glück sehen? Wenn ja: wie und wo?

Sicher ist es im ersten Moment surreal von „Glück“ zu sprechen, wenn Eltern ihr totes Kind im Arm halten. Dennoch glaube ich, verspüren Eltern eine gewisse Ruhe. Es ist schwer zu beschreiben. Vielleicht kann man es Glück nennen.

Im Nachhinein, mit ganz viel Abstand betrachtet. Gerade Eltern, die sich von ihrem Kind verabschiedet haben, es im Arm halten durften, es vielleicht baden und anziehen konnten, es streicheln, mit ihm kuscheln konnten. Sie durften ihr Baby ein Stück „kennenlernen“, sie durften für eine ganz kleine Weile für ihr Kind sorgen, auf eine ganz besondere Weise. Es betrachten und versuchen, sich jedes Detail einzuprägen. Wenn wir an früher denken, da wurden die Babys den Müttern nicht mal gezeigt. Es wurde ihnen weggenommen, ohne dass sie es sehen durften, geschweige denn sich verabschieden konnten. Ich glaube, diese Mütter würden heute von Glück sprechen, wäre ihnen damals diese Möglichkeit gegeben worden.

Hat Dein Engagement bei Dein Sternenkind Dich und den Blick auf das Leben verändert?

Veränderungen sind manchmal schwer zu greifen/ zu begreifen, wenn sie nur ganz klein sind. Wir Menschen fallen ja leider ganz oft in alte Verhaltensmuster zurück, ärgern uns z.B. über Dinge, die wirklich nichtig sind. Und das obwohl uns vor kurzem noch klar war: darüber muss man sich nicht ärgern, denn es geht uns gut. Aber dies gerät oft schnell wieder in Vergessenheit. Ich sehe ein Stück mehr das Glück, welches ich im Leben habe. Dass ich persönlich diesen Schmerz, den Verlust eines Kindes nicht erleben musste. Ich lebe glücklich mit meinem wundervollen Mann und einem tollen 18jähren Sohn zusammen. Meine Eltern leben beide noch und wir haben ein sehr enges und gutes Verhältnis. Dafür bin ich sehr dankbar. Mir ist bewusst, dass Gesundheit das größte Gut ist, welches wir Menschen haben können. Mit keinem Reichtum dieser Welt können wir Gesundheit kaufen. Und ich glaube, das ist mir durch mein Engagement bei Dein Sternenkind noch bewusster geworden.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Mir zu wünschen, dass kein Kind diese Welt verlassen muss, wäre ein toller Wunsch, nur ist mir klar, dass dies nie real werden wird.

Wenn ich persönlich einen Wunsch frei hätte, dann wünschte ich mir, dass alle, die ich liebhabe und natürlich auch ich, gesund bleiben. Das wäre mein ganz persönlicher Wunsch.

Und mein Wunsch bezogen auf meine Arbeit bei Dein Sternenkind: Ich wünschte mir, dass alle betroffenen Eltern die Kraft finden mit dem Verlust des Kindes umzugehen. Der Schmerz wird nie ganz weg sein. Er wird erträglicher werden, aber der Weg dorthin, die Kraft zu finden, das ist ein schwerer Weg. (Das waren jetzt zwei Wünsche 😉) 

Ich habe Tanja als sehr bescheiden erlebt. Ihr Tun ist mit aller Konsequenz eine Selbstverständlichkeit. Doch alle Fotografen von Dein Sternenkind schenken nicht nur Trost und eine unbezahlbare Erinnerung, sondern auch Zeit, Fahrt- und Parkkosten, Bearbeitungs- und Druckkosten, Telefon- und Portogebühren.

Diese Geschenke kommen von Herzen. Die Dienstleistungen der Fotografen und von Dein Sternenkind sind absolut kostenfrei und ohne jegliche Gegenleistung. Es gibt keine Bitten um Spenden, um weder direkt oder unterschwellig Angehörige oder Betroffene in eine Zwickmühle zu bringen oder gar ungewollt Druck aufzubauen. Es geht nur um den Moment und den Trost, der durch die Erinnerungsfotos gespendet werden kann.

Ich finde diese Leitlinien wundervoll und doch hatte ich irgendwie das Bedürfnis, zu helfen. Irgendetwas zu tun, egal wie. Ich habe mich dafür entschieden, in dieser Form etwas zu tun:

– Tanja verschenkt im Rahmen ihrer Arbeit das Buch Lilly ist ein Sternenkind – Das Kindersachbuch zum Thema verwaiste Geschwister (Ich weiß jetzt wie!). Es hilft Eltern dabei, den Geschwistern zu erklären, was passiert ist, wenn ihnen selbst die Worte fehlen. Die Bücher kann man einfach bestellen (Klick auf den Titel genügt) und direkt schicken lassen. Für Eltern, die ihr erstes Kind verloren haben, spendet das Buch Die Sorgen der Sternenkinder ein wenig Trost.

Tanja von Rohdens Kontaktdaten stehen auf ihrer Homepage www.tanjavonrohden.de. Tanja verteilt die Bücher auch an ihre Kolleginnen und Kollegen, damit sie auf diesem Weg so viele Geschwisterkinder wie möglich und auch Eltern trösten können.

– Verschiedene Organisationen wie z.B. sternenzauber-fruehchenwunder stellen Kleidung und kleine Andenken zur Verfügung. Sie häkeln, nähen und verteilen die Geschenke, die die Kleinsten auf ihrer Reise begleiten.

Du kannst auch helfen:

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Erinnerungen sind die kleinen Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.
(Verfasser unbekannt)